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Rückblick

Hier informieren wir Sie über interessante/wichtige Veranstaltungen, die bereits "gelaufen" sind, aber noch für den ein oder anderen Gesprächsstoff sorgen.

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Pressemitteilungen

Zu besonderen Anlässen schreiben wir direkte Pressemitteilungen. Diese werden wir auch hier noch mal veröffentlichen.

* * Statement zur Ersterwähnung von Buer * *
Pressemitteilung, im November 1998

Zum Jahresende legt der Verein für Orts- u. Heimatkunde den neuen Band XX., der in regelmäßiger Folge erscheinenden "Beiträge zur Stadtgeschichte" der Öffentlichkeit vor. In 9 Darstellungen mit 164 Abbildungen und 2 Karten wird auf 354 Seiten ein vielseitiges anschauliches Spektrum zur Geschichte unserer Region entfaltet. Spurensuche und Dokumentationen verbinden sich ebenso miteinander wie beurteilende Nachweise und leserbezogene Darstellung. Durch konkreten Ortsbezug und Erinnerungsarbeit werden Vergangenheits- und Gegenwartsdimensionen eröffnet. Die in der Buerschen Druckerei hergestellte Neuerscheinung ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Preis: 29,80 DM).

Paul Ulrich Galbas und Friedhelm Wölke berichten unter dem Titel "Das Klima in Buer" über 30 Jahre Wetterbeobachtung am Max-Planck-Gymnasium in GE-Buer. Die Wetterstation und ihr Beobachtungsumfeld werden durch Fotos veranschaulicht, die Me·reihen von 1968 - 1997 der Temperaturen und Niederschläge durch Tabellen, Kurven und Klimadiagramm zusammengefaßt und ausgewertet. Die lebenswichtige Frage nach einer Klimaveränderung wird sachgerecht andiskutiert.

Aus den Erfahrungen historischer Spaziergänge erfa·t Heinrich Ermeling mit "Heimatkunde und Geschichte an Häuserfronten in Gelsenkirchen" ein weites Panorama historischer Erinnerungs-Orte und -Zeichen, an denen Geschichte in die Gegenwart hineinreicht und aktuell erfahrbar werden kann. Nach dem Leitsatz >> Man sieht nur, was man kennt!<< werden Informationen und Bilder in einen Erkenntniszusammenhang gebracht. Durch die vor einigen Tagen erfolgte Neuaufstellung des Gelsenkirchener Stadtwappens von 1877 beweist die Betrachtungsweise ihre Aktualität. Die Lektüre wird zu einer interessanten, anregenden Zeit-Reise durch verschiedene Bereiche Gelsenkirchener Geschichte.

Den "Kirchbauten der Baumeisterfamilie Hertel in Gelsenkirchen" widmet Ursula Markfort eine sorgfältig begründete und anschaulich bebilderte Studie. Der Bau der Kirchen

  • St. Urbanus in GE-Buer (1891/93),
  • St. Barbara in GE-Buer-Erle (1892, 1896/97),
  • St. Hippolytus in GE-Horst (1897/98) und
  • Herz Jesu in GE-Buer-Resse (1902/03)

wird vor dem Hintergrung des allgemeinen wirtschaftlichen Aufstiegs, der Industrialisierung und des Bevölkerungswachstums sowie der Stärkung der kirchlichen Position nach dem sog. Kulturkampf betrachtet. Die Mitglieder der Münsteraner Baumeisterfamilie Hertel gehörten zu den herausragenden Architekten des kirchlichen Bauwesens in Westfalen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Ihre Anregungen erhielten sie vom Kölner Dom und aus dem westfälischen Raum, besonders Münster. Sie betrachteten ihre Kirchen als Gesamtkunstwerke. Die vier Kirchen werden nach Baugeschichte und Baubeschreibung differenziert vorgestellt.

Die nächsten beiden Arbeiten stehen in einem örtlichen und sachlichen Zusammenhang. Unter dem Vermächtnis aus dem Testament des Heinrich von Knipping von 1560 "Damit man der Armen nicht vergesse ..." schildert Arno Vauseweh den Streit um Armenhaus, Kapelle und Kirche auf dem Bleck als Beitrag zu den religiösen Auseinandersetzungen in der Grafschaft Mark im konfessionellen Zeitalter. Anschaulich werden Leben und Versorgung im Armenhaus vor allem durch interessante Vergleichsangaben anderer solcher als Hospital bezeichneter Einrichtungen. Der Konfessionsstreit wurde ausgelöst, als 1678 eine Freiherr von Nesselrode das Erbe auf Grimberg antrat und die dortige Kapelle, die seit 1560 Mittelpunkt einer evangelisch-lutherischen Sondergemeinde war, für den katholischen Gottesdienst forderte. Im Rahmen der Auseinandersetzungen erfolgte der Bau der evangelischen Kirche auf dem Bleck 1735/38 nach den Plänen des Münsteraner Barock-Baumeisters J. C. Schlaun und die Überführung des Grimberger Altares aus der Schloßkapelle.

Mit Schloßß Grimberg und dem Grimberger Altar als historische Dokumente polititscher und religiöser Alltagskultur im 16. Jahrhundert befaßt sich Hubert Kurowski unter der Überschrift "Zum Gedächtnis seiner Wunder", womit Martin Luther die Darstellung von Abendmahlsbildern begründet hat. Den Schwerpunkt seiner Ausführungen bildet der Versuch, die Kupferstichvorlage, die Vorbilder für einzelne Personen der Abendmahlsdarstellung und den Bildhauer des Grimberger Altares von 1574 durch Bildvergleiche und historische Zusammenhänge in Erfahrung zu bringen. Von besonderer Bedeutung ist die Identifizierung des Judas als spanischer König Philipp II. nach einem Kupferstich von Nelli von 1562. Der Stifter Heinrich von Knipping ist nach der Darstellung auf der Tumba in der Grimberger Kapelle - jetzt Schloß· Herten - in der Person des Petrus in Christusnähe zu erkennen. Auch für den lesenden Jünger findet der Verfasser eine Bildvorlage aus dem Umkreis von Lucas Cranach d. J.. Als Bildhauer macht er "Hans Laken Beldensnider" aus Münster wahrscheinlich. Zeitgleich mit Schloß· Horst ist in Grimberg ein bedeutsames Renaissance-Kunstwerk entstanden.

Ludger Schauenberg folgt den Spuren der Familie Neukirchen in Buer ("Vom Nachtwächter zum Branddirektor") und kann aufzeigen, wie Familiengeschichte mit der wirtschaftlichen und kommunalen Entwicklung verflochten und in das gesellschaftliche Leben in Buer-Mitte verwoben war und ist. Deutlich wird das an den Gründungen von drei Brüdern:

  • Das Bauunternehmen Heinrich Neukirchen (bis 1978)
  • das Tapeten-Fachgeschäft Johann Neukirchen an der Horster Str., das gerade seinen 100. Geburtstag feiert und
  • die Gaststätte "Alt-Buer" von Franz Neukirchen an der Hochstraße/Ecke Blindestraße.

Herausragend ist Jean Neukirchen nach der Anzahl seiner erfolgreichen Aktivitäten und seinem Bekanntheitsgrad, ein anerkanntes Vorbild bürgerlichen Gemeinsinns.

Die folgenden Darstellungen geben Einblicke in das bäuerliche Leben, aus unterschiedlicher Perspektive sich sachlich ergänzend. Am Beispiel der Höfe

  • "Otte" (jetzt: "Floristpark International"),
  • Melchers und
  • Spiekermann in Buer-Sutum

dokumentiert Helmut Weigel "Bäuerliche Lebensformen in den letzten Jahrhunderten" nach den Hofarchiven, tradierter Sachkultur und mündlicher Überlieferung. Dabei kommen beim Otte-Hof überraschende Funde zutage: das Protokoll einer Familienratssitzung 1809 macht das weitverzweigte verwandtschaftliche Personennetzwerk sichtbar, eine Einkaufsrechnung vom Kolonialwarenhandel im "halben Mond" an der St. Urbanuskirche 1821 gibt Fingerzeige auf eine Hochzeitsfeier und einen Linnen-Koffer für Elsken Otto 1661 (im Familienbesitz) erzählt die Geschichte ihrer Eheschließung. Die Hofgebäude werden nach Inventarverzeichnissen von 1809 und 1873 als Einheit von Leben, Wohnen und Arbeiten dargestellt, wobei einige dort aufgeführte Ausstattungsgegenstände noch heute vorhanden sind, zwei Schränke sogar am gleichen Ort. Durch anschauliche Quellen und zahlreiche Bilder sind vergangene Lebenswelten in unsere Gegenwart gebracht worden, die Zusammenhänge mit heutigen Lebensformen erkennen lassen.

Am Beispiel aus den Bauerschaften Surresse und Eckeresse zeigt Carl Heinrich Lueg "Nach gutsherrlichem Recht" auf, "was es bedeutete, eigenbehörig zu sein". Grund- und Gutsherrschaft bestimmten durch Jahrhunderte das bäuerliche Leben, nahmen ihre Rechte, aber auch ihre Pflichten gegenüber ihren leibeigenen Bauern in gleicher Weise war. Es gab ebenso Beispiele der Pfändung von Ertrag und Vieh bei nicht geleisteten Abgaben oder Arretierung wie Gesten und Handlungen von Verständnis und Unterstützung vor allem in unverschuldeten Notsituationen. Da die Mehrzahl der Beispiele aus Prozessen und anderen Rechtsfällen stammen, wird das Leben auf dem Lande hier schlaglichtartig in den Grenzzonen deutlich, so da· ein buntes scharf gezeichnetes Kaleidoskop bäuerlicher Lebenswelten im 17. und 18. Jahrhundert entsteht. Zum Nachweis der Authentizität bleibt die Darstellung nahe an den Quellentexten, die sorgfältig erläutert werden und denen eine Zusammenstellung der Fachbegriffe beigezogen wird.

Gustav A. Spürk und Dorothee Rohmann beschließen den Band mit der Fortsetzung der "Siedlungsgeschichtlichen Dokumentation Scholvens", Teil 3 "Mittelscholven". Auf breiter Quellengrundlage werden die einzelnen Siedelstellen nach bäuerlichem Recht und Familienverhältnissen ausführlich dokumentiert. Neue Funde vervollständigen das bisherige Wissen über Haus Lüttinghof und seine verschiedenen Mühlen. Ein Namens-Index erleichtert die Arbeit mit der Dokumentation. Bilder und Karten sind für die nächste Veröffentlichung vorgesehen.

Dr. Helmut Weigel

Pressemitteilung im Dezember 2000

Zum Jahresende legt der Verein für Orts- u. Heimatkunde e.V. den neuen Band XXII der in kontinuierlicher Folge erscheinenden "Beiträge zur Stadtgeschichte" der Öffentlichkeit vor. In acht Darstellungen mit 172 Abbildungen, davon 28 in Farbe, und einer Faltkarte wird auf 310 Seiten ein vielseitiges, anschauliches Spektrum zur Geschichte unserer Region entfaltet. Leitlinien der Arbeits- und Darstellungsweise sind Aufarbeitung und Dokumentation, konkrete Ortsbezogenheit und Einbeziehung von Zeitzeugen. Sie sorgen für anhaltendes Leserinteresse, wecken Erinnerungen und ermöglichen das Einbringen der eigenen Lebensgeschichte. Die in der Buerschen Druckerei hergestellte Neuerscheinung ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Preis: 29,80 DM).

Die einzelnen Beiträge sind nach thematischen und zeitlichen Gesichtspunkten, aber auch nach Gesamtbereich und Stadtteilen angeordnet. Als einen 'Beitrag zum 125jährigen Jubiläum der Stadt Gelsenkirchen' stellt Heinrich Ermeling unter dem Titel "Beispiele sakraler Kunst in Gelsenkirchen" einen kleinen Führer dieses wichtigen Bereiches dar, der im neuen "Kunstführer Gelsenkirchen" (1999) nicht enthalten ist, um auch hier "den Kunstreichtum dieser Stadt öffentlich bekannt und bewu·t zu machen". Ordnungsprinzip bilden die Stadtteile, die mit Scholven beginnend im Uhrzeigersinn nach Süden und zurück bis nach Horst durchschritten werden, und die Bilddokumentation, was sich auch in den 114 Abbildungen, davon 27 in Farbe, ausdrückt. Im Vordergrund stehen die Kunstwerke und ihre Schöpfer, doch stets erfolgt eine Einordnung in architektonische, liturgische und theologische Zusammenhänge. Eine Liste der 60 Künstler und ihrer Werke dient dem zusammenfassenden Überblick und der Nachschlagemöglichkeit. In die Darstellung einbezogen sind auch die sakrale Architektur, die Grabmalkunst und die noch vorhandenen Hofes- und Wegekreuze. Die zahlreichen Abbildungen regen zur vergleichenden Betrachtung der Bildmotive an.

Die nächsten beiden Arbeiten führen nach Buer und sind auf Stadtviertel bezogen. "Der Goldberg - einst und jetzt" wird von Adolf Nowak als historischer Streifzug in Buer-Mitte dargestellt, bei dem die geschichtliche Vergangenheit als aktuelle Gegenwart in der persönlichen und überlieferten Erinnerung präsent ist. Aufgezeigt wird sie an den Gebäuden - Rathaus, Kirchen, Schulen und Verwaltungsstellen -, aber auch im Gelände - am höchsten Punkt des Stadtgebietes und am früheren Standort der alten Buerschen Gerichtslinde -, wobei es viele wissenswerte Informationen gibt. Der vom Autor mehrfach durchgeführte Stadtteil-Spaziergang zeigt den engen Zusammenhang zwischen den Vereinstätigkeiten und den "Beiträgen" auf.

Aus seiner heimatgeschichtlichen Arbeit im Ortsteil Bülse ist die Darstellung von Werner Schlüter "Der Wetterschacht Hugo-Nord, ein Beitrag zu Industriegeschichte aus dem Buerschen Norden" hervorgegangen. Nach einem sachlich einprägsamen Aufriß der Entstehung des Bergwerks "Hugo" wird der Schacht 7 Hugo-Nord in Bülse in Funktion (seit 1942) und als Industriedenkmal sowie die dadurch entstandenen Wohnsiedlungen gezeigt, vor allem aber der gemeinsame Kampf der Bülser Bevölkerung und der Vereine um Erhalt und Nutzung der Anlage. Zwar ist 1996 der Schacht in nur zehn Tagen verfüllt worden, dessen Teufzeit 26 Monate gedauert hatte, das Fördergerüst steht jedoch noch als eindrucksvolles Zeugnis industriellen Wandels.

Zwei weitere Darstellungen befassen sich mit der Horster Kirchengeschichte. Carl Heinrich Lueg entwirft eine "Kurze Geschichte der Kapelle und Kirche St. Hippolytus zu Horst im Broiche bis zum Zeitalter der Industrialisierung" und zeigt damit einen aufschlußreichen Aspekt auf, der bei den umfangreichen Arbeiten um Schlo· Horst bisher kaum Berücksichtigung gefunden hat. Er geht dabei auf Quellenbestände zurück, die verlorenes historisches Wissen wieder bekannt machen. Die Entwicklung von der Burgkapelle zur Pfarrkirche wird an Gebäudenachrichten und Vermerken von Pfarrern aufgewiesen. Dem Nachweis des religiösen Lebens dienen die Würdigungen der Pfarrer, bei denen Johann Liphausen während des 30jährigen Krieges ein interessantes literarisches Schaffen hinterlä·t. In der Kirchengeschichte spiegelt sich auch der Wechsel der Schloßherrschaft und seit dem 19. Jh. die Industrialisierung mit ihrer starken Bevölkerungsentwicklung wider.

Mit den im vorigen Jahr neugeordneten Horster Kirchenbüchern befaßt sich Hermann Schlebusch in seinen "Anmerkungen über die kirchlichen Eheschließungen in Horst" im Zeitraum von 1664 bis ins 19. Jh. Der Leser erfährt wissenswerte Einzelheiten über Kalenderrechnung, Datierung und über kirchenrechtliche Ehehindernisse, aber auch über Berufe und Herkunft von Ehepartnern. Die Zustimmung der Eltern zur Eheschlie·ung der Kinder hat sich erst allmählich durchgesetzt.

Einen breiten Raum nimmt die "Siedlungsgeschichtliche Dokumentation Scholvens" von Gustav August Spürk und Dorothee Rohmann ein, die mit diesem Teil 4 über Niederscholven abgeschlossen ist. Im einführenden Teil bietet sie durch tabellarische öbersichten und thematische Aspekte eine gegliederte Zusammenfassung der gesamten Dokumentation.

Als konkrete Einführung ist die Fallstudie von Helmut Weigel mit dem Leitthema "Die Großbauerschaft Scholven im Kampf um ihre Rechte" konzipiert, in deren Mittelpunkt der Bauer und Bauerschaftsvorsteher Dietrich Berckell aus Mittelscholven in der Mitte des 16 Jhs. steht. Er wird gezeigt in Unterdrückung und Anpassung , aber auch handelnd in Protest und Widerstand. Als er 1567 im Kampf gegen die Sperrung des Scholver Kirchweges als rituelle Strafsanktion durch den Pfarrer von St. Urbanus und die Dorffreiheit Buer in Haft genommen wird, greift die Essener Fürstäbtissin als seine Grundherrin mit Unterstützung aller Scholver Grundherren in den Rechtsstreit ein, was ganz außergewöhnlich ist. Handgreifliche Auseinandersetzungen und ehrverletzende Beschimpfungen, aber auch symbolische Handlungen und magische Vorstellungen ergeben ein hochinteressantes Bild der damaligen Volkskultur.

Der Band wird abgeschlossen durch ein "Register der Beiträge zur Stadtgeschichte für die Jahre 1965 - 2000" von Georg Lecher, das nach Band und Jahr sowie Titeln und Verfassern sortiert worden ist und so viele Nachschlage- und Vergleichsmöglichkeiten anbietet. Die in 35 Jahren durch die "Beiträge" und den Verein geleistete stadtgeschichtliche Forschungsarbeit wird konkret sichtbar.

Dr. Helmut Weigel

 

Pressemitteilung 06. Dezember 2002

Wieder ist ein Band der "Beiträge zur Stadtgeschichte" erschienen und kann vom "Verein für Orts- und Heimatkunde e. V." der Öffentlichkeit vorgelegt werden. Es ist die XXIII. Ausgabe. In 8 Darstellungen mit 144 Abbildungen, 5 Karten, 3 Grundrissen, 18 Tabellen und 1 Stammtafel wird auf 314 Seiten ein vielseitiges, anschauliches Spektrum, das eine Chronologie durch die 1 000jährige Buersche Geschichte ergibt, entfaltet. Die in der "Buersche Druckerei Dr. Neufang KG" hergestellte Neuerscheinung ( Auflage 1200 Exemplare) ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Preis: 17,50 _).

Eine Aufsatzsammlung zur 1 000jährigen Geschichte eines Ortes beginnt selbstver-ständlich – wie nicht anders zu erwarten – mit einer Studie über seine urkundliche Erstnennung. Carl Heinrich Lueg führt unter dem Titel "Frühe Nachrichten über Buer – oder von der Schwierigkeit, den Ursprüngen eines Ortes auf die Spur zu kommen" Gründe dafür an, dass mit dem in der Urkunde von 1003 April 1 genannten "Puira", sondern das westfälische Buer (Stadt Gelsenkirchen) gemeint ist. In diesem Zusammenhang geht er auch der Frage nach: "Seit wann leben Menschen auf dem heutigen Stadtgebiet von Buer?" – um dann von weiterem Quellenmaterial ausgehend, "den Ort Buer in der frühesten Phase seiner Geschichte vorzustellen".

In das späte Mittelalter und das Alltagsleben des Niederadels im Kirchspiel Buer versetzt uns Arno Vauseweh mit dem Thema "Backems Krüz", das an einen Mordfall und seinen Gedächtnisort erinnert. Für die damalige Zeit wurde es ein symbolischer Ort, weil hier die Wege der adeligen Häuser Leythe und Berge, die in Bruderzwist und Totschlag verstrickt waren, genau aufeinandertrafen und vorenthaltenes Erbe, Gottesurteil, Sühne und mittelalterliche Jenseitsvorsorge zeichenhaft sichtbar blieben. Es wird bei dieser Darstellung das Denkmal und "Rätsel Steinkreuz" gründlich beschrieben und alles das zusammengetragen, was die Landschaft an schriftlicher und mündlicher Überlieferung der Steinkreuzsitte beisteuern kann.

Die folgenden beiden Aufsätze geben Einblicke in das dörflich-städtische und bäuerliche Leben. In seiner Arbeit "Die Freiheit Buer" beschäftigt sich Carl Heinrich Lueg mit den vom Kölner Erzbischof Dietrich von Moers am 18. April 1448 verliehenen Privilegien, Freiheiten und Rechten, die zum Entstehen des stadtähnlichen Gemeinwesen Buer beitrugen. Ausführlich setzt er sich mit der Topographie der Dorf-Freiheit auseinander, die zusätzlich durch die Abbildung einer Graphik Ernst Neukirchens im Stile des Kupferstechers Merian veranschaulicht wird. Die Vielzahl der Berufe, die Anzahl der Hausstätten mit ihren Bewohnern sowie des vorhandenen Großviehs werden mit Hilfe ausgewerteter Dokumente der verschiedensten Jahrhunderte dem Leser vorgestellt und die Heimsuchungen der Freiheit durch Pest, Feuer, Krankheiten und Kriege in allen Einzelheiten dargestellt, aber auch die immer wieder auftretenden Spannungen zwischen Freiheits- und Kirchspielbewohnern ausführlich geschildert.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt: im Jahre 1820, erteilte der landrätliche Kommissar Wilhelm Graf von Westerholt-Gysenberg auf Anordnung der preußischen Regierung dem Bürgermeister von Buer, Wilhelm Tosse, den Auftrag, eine Gemeindechronik zu erstellen und fortzuführen. Wilhelm Tosse erfüllte seinen Auftrag, indem er in zwei Abschnitten die Erinnerungen an die Zeit von 1618 bis 1817 niederschrieb "und von da an – im 3. Abschnitt – Jahr für Jahr" fortschrieb. "Was uns die Tossesche Chronik über das Leben in Buer zu Beginn des 19. Jahrhunderts berichtet", teilt uns Carl Heinrich Lueg in einem weiteren, dem dritten, seiner Beiträge des uns vorliegenden XXIII. Bandes zur Stadtgeschichte für die Jahre 1812 bis 1829 mit. Er gibt viele der originalen Passagen der Chronik – ergänzt durch eigene Kommentare – chronologisch wieder, so dass ein detailreiches, farbiges "Bild" vom Leben und Treiben in Buer im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts entsteht.

'Erinnerungen an Alt-Buer" überschreibt der Buersche Kaufmann Theodor Nolde (*1864/+1926) die schriftliche Wiedergabe seines Lebensweges, die ab 1917 als Fortsetzungsreihe im "Kath. Kirchenblatt für die St. Urbanus-Pfarrgemeinde Buer-Mitte" erstmals erschien. Im dortigen Archiv 1979 aufgefunden, setzte sie der Buersche Heimatkundler Hugo Vöge zu einem Manuskript zusammen und übereignete sie dem "Verein für Orts- und Heimatkunde e. V.". Für die Beiträge zur Stadtgeschichte von Hans Widlak überarbeitet, werden sie nun als Zeitbilddokument zur Mentalitäts- und Ortsgeschichte als Ganzes veröffentlicht. In den Vorbemerkungen schreibt hierzu der Herausgeber: "In seinen 'Erinnerungen an Alt-Buer', die seine große Heimatliebe verraten, zeigt sich Theodor Nolde als strenggläubiger Katholik und glühender Patriot, der aus seiner konservativen Geisteshaltung kein Hehl macht."

Klaus Herzmanatus geht den Anfängen des Bergbaus nach. Unter dem Titel "Buer, die Industriegroßstadt im Grünen" schildert er die Geschichte der Schächte, wobei er jeweils mit einer kurzen Angabe ihrer Schließung endet. In seine Darstellung bezieht er auch das Leben der Menschen und deren Wohnverhältnisse innerhalb der ehemaligen Stadt Buer mit ein – einer idealtypischen, modernen Gemeinde, in der die Trennung von Industrie-, Wohn- und Erholungsgebiet so musterhaft durchgeführt wurde, wie es nur in vereinzelten Industriestädten Deutschlands der Fall ist.

Am 07. Oktober 1902 nahm die neuerbaute "Ev. Schule von Buer, System II" an der Urbanusstraße den Unterrichtsbetrieb auf. Im Jahre 2002 feierte sie ihr 100jähriges. Unter dem Titel "100 Jahre Volks- und Grundschule an der Urbanusstraße ... (1902 bis 2002)" trägt Arno Vauseweh Unterhaltendes, Aufschlussreiches und Merkwürdiges aus der Schulgeschichte, das er aus den noch vorhandenen schriftlichen Aufzeichnungen entnommen hat, zusammen. In Form einer Chronik ordnet der Autor einer jeden von ihm angeführten Jahreszahl eine in sich abgeschlossene "Geschichte" zu. Veranschaulicht wird der Beitrag durch zahlreiche Abbildungen älterer und neuerer Zeit.

Heinrich Ermeling beschließt den Band mit "Historische Briefköpfe als Spiegel der Entwicklung der heimischen Wirtschaft". Der Verfasser erzählt die Industrie-geschichte der ehemals selbständigen Gemeinden Alt-Gelsenkirchen, Horst und Buer. Der Aufsatz lebt von seinen Abbildungen und dem dazugehörenden Text : Im Gegen-über von Briefkopf und historischer Darstellung lässt nämlich der Autor die Wirtschaftsgeschichte von 31 Industrie- und Versorgungsbetrieben am Leser vorbeiziehen, wobei er deren Anfänge, Glanzzeiten, aber auch viel zu oft deren Aus vor der letzten Jahrtausendwende schildern muss. Immer wieder macht er in der Darstellung den Betrachter auf in den Briefkopf-Lithographien versteckte Einzelheiten aufmerksam.

Arno Vauseweh

 

Statement zur Ersterwähnung von Buer

1000 Jahre Buer

"Puire" (lateinisch: Puira) wird 1003 erstmals urkundlich erwähnt. Die Schreibweise des Ortsnamens variiert mehrfach durch die Jahrhunderte hindurch (z. B. Buren, Buron, Bure, Buyr und Buria) bis zum heutigen Buer. Die Deutung des Ortsnamens ist nicht eindeutig geklärt. Nach Karl Machtan, Leiter des Stadtarchivs Gelsenkirchen, ist ein keltischer Ursprung für den Erstnamen "Puire" wahrscheinlich.

Die auf den 01. April 1003 datierte Urkunde beinhaltet Schenkungen an das Kloster Deutz anlässlich der Klostereinweihung. Ein Großteil des Besitzes des Klosters Deutz lag im Raum Sauerland und im Vest Recklinghausen. Die Urkunde ist nachträglich im 12. Jahrhundert – auf der Basis von Aufzeichnungen und mündlichen Überlieferungen – angefertigt worden. Die Urkunde ist in das Urkundenbuch von Lacomblet, 1840, aufgenommen worden und kommentiert in den zusammenfassenden Urkundenbüchern von Oediger (Die Regesten der Erzbischöfe von Köln, Band I, 1954) und Wisplinghoff (Rheinisches Urkundenbuch Band I, 1972).

In einer wissenschaftlichen Arbeit zum Kloster Deutz gibt es auch eine Zuordnung der Urkunde zu Buir bei Kerpen. Diese Meinung wurde in dem später erschienen Standardwerk – Rheinisches Urkundenbuch – jedoch nicht berücksichtigt, in dem, wie schon in dem vorher erschienen Buch von Oediger, "Puire" mit Buer in Westfalen gleichsetzt wird. Neuauflagen und/oder Korrekturen zum Rheinischen Urkundenbuch sind nicht erschienen.

24.01.2002